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Betreiber für Windpark-Flächen in Oberschwaben stehen jetzt fest

 

Jetzt ist bekannt, wer auf den Ende 2021 ausgeschriebenen Flächen im Altdorfer Wald und bei Bad Waldsee Windparks planen darf. Auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ gibt der landeseigene Forstbetrieb bekannt: den Zuschlag für alle drei Flächen im Altdorfer Wald haben die Stadtwerke Ulm (SWU) erhalten, und im Wald bei Michelwinnaden ist es die RES Deutschland GmbH.

Allein für die Flächen im Altdorfer Wald hat es 52 Angebote gegeben. Für die Fläche in Bad Waldsee wurden 20 Angebote eingereicht. Demnächst sollen die Verträge unterzeichnet werden. Dann können die Detailplanungen stattfinden.

Ob die Windparks tatsächlich kommen, ist noch nicht klar. Und auch die Größe der Windparks ist noch nicht abzusehen. Das einzige, was bisher klar ist, sind die Flächen, auf denen geplant wird. Im Altdorfer Wald sind es insgesamt 1370 Hektar Potenzialfläche, auf denen Windkraft entstehen kann. Auf der Gemarkung in Bad Waldsee sind es 70 Hektar.

Verwirrung um die Hektarzahl

Zuletzt hat es immer wieder Verwirrung um die vom Land Baden-Württemberg kommunizierte Zahl von 1370 Hektar im Altdorfer Wald gegeben. Denn in der Ausschreibung von Forst BW war zusammengerechnet von 2370 Hektar zu lesen.

 

Die Diskrepanz kommt folgendermaßen zustande: Bei den 2370 Hektar handelt es sich um die Größe der Flurstücke im Staatsforst, bei den 1370 Hektar handelt es sich um die windhöffigen Flächen, auf denen theoretisch Windräder entstehen können. Das heißt, dass sich nicht die komplette Fläche für Windräder eignet, Forst BW schreibt aber nur ganze Flurstücke aus.

Verträge müssen noch unterzeichnet werden

„Die Verträge werden gegenwärtig mit den Erstplatzierten abgestimmt und demnächst unterzeichnet“, schreibt der Sprecher von Forst BW, Sascha Bahlinger. In den sogenannten Gestattungsverträgen geht es unter anderem um Laufzeit, Kündigung, Durchführung von Bauarbeiten, Entschädigungen, Rückbau und Sicherheitsleistungen.

Sobald die Verträge unterschrieben sind, können also sowohl die Stadtwerke Ulm als auch die RES Deutschland in die detaillierte Planungsphase treten. „In der Regel werden im nächsten Schritt Windmessungen gemacht und Artenschutzgutachten in Auftrag gegeben“, so Bahlinger. Dieses Vorgehen ist auch von den beiden bereits geplanten Windparks bei Mochenwangen/Zollenreute und bei Enzisreute/Bergatreute bekannt.

Pachtgebot war ausschlaggebend

Ausschlaggebend für die Zuschläge des Ausschreibungsverfahrens war offenbar die gebotene Pachthöhe. Aber auch die „Absicherung einer technisch, wirtschaftlich und politisch tragfähigen Projektplanung“ habe eine entscheidende Rolle gespielt, heißt es von Forst BW.

Details der Angebote, zum Beispiel mit wie vielen Windrädern die Stadtwerke Ulm und die RES Deutschland GmbH in die Planungen gehen, waren am Freitag für die „Schwäbische Zeitung“ kurzfristig nicht in Erfahrung zu bringen. Die RES Deutschland GmbH mit Sitz in Vörstetten bei Freiburg ist Teil der RES-Gruppe (Renewable Energy Systems). Das global agierende Unternehmen wurde 1981 in Großbritannien gegründet und bezeichnet sich als selbst als „das weltweit größte unabhängige Unternehmen für Erneuerbare Energien“.

Enttäuschung in Oberschwaben

Enttäuscht von dem Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens zeigt sich Helmut Hertle, Geschäftsführer der Windkraft Bodensee-Oberschwaben (WKBO). Das Konsortium, an dem neben den Technischen Werken Schussental in Ravensburg auch die Stadtwerke am See aus Friedrichshafen und die Stadtwerke Bad Saulgau beteiligt sind, hat sich für alle drei Flächen im Altdorfer Wald beworben – jedoch nicht für die Fläche bei Bad Waldsee.

An was hat es gelegen? „Das wollten wir auch wissen, weil die Bewertungskriterien nicht offengelegt wurden, was aus meiner Sicht verwunderlich ist“, sagt Hertle. In einem Antwortschreiben habe Forst BW mitgeteilt, dass es an der „Wirtschaftlichkeit“ gelegen habe – sprich an der Pachthöhe. Die anderen Interessenten haben mehr geboten. Dabei hätten die WKBO schon den zwei- bis dreifachen Satz im Vergleich zur Fläche im Röschenwald geboten, sagt Hertle.

Ist eine Kooperation denkbar?

„Wir haben vorsichtig kalkuliert, weil wir Teile der Potenzialflächen im Altdorfer Wald nicht einbezogen haben, weil es sich um FFH-Gebiete handelt“, so Hertle. Außerdem habe man größere Abstände zu Siedlungen eingeplant. „Wir haben uns wirklich Gedanken gemacht und einen innovativen Ansatz gewählt.“

Noch in dieser Woche möchte der WKBO-Geschäftsführer das Gespräch mit den Stadtwerken Ulm suchen, um Möglichkeiten für eine Kooperation auszuloten. „Denn auch wir hätten uns bei einem Zuschlag überlegt, jemanden mit ins Boot zu holen, weil es sich um ein gigantisches Projekt handelt“, sagt Hertle. So oder so wünsche er, dass die Windräder im Sinne der Energiewende bald gebaut werden könnten.

Im Röschenwald soll es weitergehen

Die WKBO plant bereits zusammen mit dem Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Norddeutschland einen Windpark mit vier Windrädern im Röschenwald zwischen Mochenwangen und Zollenreute. Nachdem es bislang zu Verzögerungen gekommen war, plant die WKBO, im Mai oder Juni das Genehmigungsverfahren beim Landratsamt Ravensburg zu starten.

Für weitere Projekte in anderen Landesteilen Baden-Württembergs will sich die WKBO nicht bewerben, weil man sich zunächst auf die Region Bodensee-Oberschwaben beschränken wolle. Das sagte Hertle bereits vor der Ausschreibung.

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